Wie nutzt man LinkedIn-Kontakte und Direktnachrichten in der Jobsuche richtig?
Die meisten Kandidaten behandeln LinkedIn-Kontakte als Zählerstand und Direktnachrichten als Kanal für Kaltbewerbungen. Beides führt in die falsche Richtung. Die 80 % der Stellen, die über Kontakte besetzt werden, gehen an Kandidaten, die ihr Netzwerk als Arbeitsmittel pflegen: aufgewärmt, bevor sie es brauchen, mit einer konkreten statt einer allgemeinen Bitte, und mit Gegenleistung. Fünf konzentrierte Minuten am Tag, konsequent durchgehalten, schlagen 100 Massenbewerbungen.
Lernen Sie hier in fünf Minuten, wie daraus eines Ihrer besten Werkzeuge für die Jobsuche wird.
Als Senior Talent Partner sehe ich seit fast 16 Jahren dieselben unnötigen Fehler. Mit meinen Hinweisen lässt sich das leicht abstellen.
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Ein kurzer Hinweis, bevor es zu den konkreten Tipps geht, mit denen Sie 300 % wertvollere Kontakte zu Recruitern und Hiring Managern aufbauen:
Vor Kurzem schrieb mir ein Kandidat, meine Karriereberatung fühle sich anders an, weil ich neben den Fehlern der Kandidaten auch positive Botschaften mit Empathie sende.
Das habe ich gern gehört. Ganz vermeiden lassen sich Inhalte der Sorte „Das machen Sie falsch. Machen Sie es stattdessen so“ leider trotzdem nicht.
Entschuldigung, entmutigen soll das niemanden.
Es ist schlicht das, was ich beobachte, und Sie sollen verstehen, was Sie anders machen können, um in der Jobsuche erfolgreicher zu sein.
Die größten Fehler bei LinkedIn-Kontaktanfragen:
1. Leere Kontaktanfragen an Hiring Manager und Recruiter, besonders wahllos verschickt
Diese Unart sehe ich immer noch viel zu oft. Wählen Sie aus, mit wem Sie sich vernetzen wollen.
Recherchieren Sie mögliche Hiring Manager bei Unternehmen, die Sie wirklich interessieren, und deren Recruiter.
Dann schicken Sie eine persönliche Nachricht. Sagen Sie kurz und knapp, was Sie zu bieten haben.
In meinem Fall würde ich zum Beispiel schreiben:
„Guten Tag XYZ,
mein Name ist Andreas. Ich bin Senior Talent Partner mit 16 Jahren Erfahrung, vor allem im Pharma-Recruiting und in der strategischen Beratung zu Talent Acquisition.
Ihre Arbeit und Ihr Unternehmen interessieren mich, und ich würde mich über eine Vernetzung freuen.
Vielen Dank vorab.
Beste Grüße, Andreas“
Mehr nicht. Haken Sie nicht nach, warten Sie einfach ab, ob die Anfrage angenommen wird. Wenn nicht, Pech gehabt. Mehr können Sie da nicht tun.
Wird die Anfrage angenommen, schicken Sie ein kurzes Dankeschön und schreiben, dass Sie sich auf den Austausch freuen. Das war es.
Fragen Sie nicht nach passenden Stellen. Schicken Sie Ihren Lebenslauf nicht unaufgefordert.
2. Schicken Sie nie eine Direktnachricht mit der Frage nach einer passenden Stelle
Herauszufinden, ob dieser Hiring Manager oder Recruiter gerade eine Stelle für Sie hat, ist Ihre Aufgabe.
Ja, Jobsuche ist selbst ein Job. Ob Ihnen das gefällt oder nicht.
Nicht einmal Recruiter in großen Konzernen überblicken normalerweise alle offenen Stellen in ihrem Land. Hiring Manager erst recht nicht.
Und im Normalfall hat kein Recruiter Zeit, Ihre Hausaufgaben zu machen und Ihr Profil von Hand gegen offene Stellen abzugleichen. Die Chance auf eine positive Antwort liegt vielleicht bei 1 %. Das ist verschwendete Zeit.
Aber das hier können Sie tun:
Wenn Sie sich auf eine gut passende Stelle beworben haben und wissen, wer Hiring Manager oder Recruiter ist, schicken Sie eine kurze Nachricht mit dem Hinweis auf Ihre Bewerbung und erklären in zwei Sätzen, warum Sie das Problem lösen können, für das die Stelle da ist.
Dann Schluss. Nichts weiter. Haken Sie nicht nach. Fragen Sie nicht über LinkedIn nach Feedback. Warten Sie die Rückmeldung über die regulären Kanäle ab oder eine Antwort auf Ihre Nachricht.
3. Fragen Sie per Direktnachricht nie nach Zusatzinformationen zur Stelle oder nach Feedback zu Ihrer Bewerbung
Es ist ein komplettes Missverständnis, dass zusätzliche LinkedIn-Nachrichten Ihre Chancen verbessern, weil jemand dadurch auf Ihre Bewerbung aufmerksam wird.
Ihre beste Chance liegt in der regulären Bewerbung.
Prüfen Sie zuerst die Muss-Anforderungen der Stelle genau. Meist sind es zwei oder drei, und sie stehen in der Anzeige weit oben. Wer sie erfüllt, hat schon recht gute Aussichten, berücksichtigt zu werden.
Aber Sie müssen Ihren Lebenslauf auf die Stelle zuschneiden, sofern das sinnvoll ist. Betonen Sie die gefragten Fähigkeiten und Erfahrungen, indem Sie Ihre Formulierungen anpassen. Dazu gehört auch, Irrelevantes zu streichen.
Machen Sie es Recruiter und Hiring Manager leicht, schnell zu erkennen, warum Sie wirklich passen.
Wenn Sie ein Motivationsschreiben beilegen, muss es natürlich genauso sorgfältig auf die Stelle abgestimmt sein.
Eine Warnung: Ihr Kandidatenprofil zu verkaufen ist in Ordnung, bleiben Sie dabei aber bei der Wahrheit. Übertreiben Sie nicht, und erfinden Sie erst recht nichts.
Glauben Sie mir: 90 % der Kandidaten mit „aufgehübschten“ Bewerbungen erleben im Vorstellungsgespräch eine sehr unangenehme Zeit, sobald klar wird, dass sie aufgeblasen haben, was sie in früheren Rollen getan oder eben nicht getan haben.
Es gibt kein Wundermittel. Es gibt keine Geheimwaffe. Wenn sich Ihre Jobsuche wie Arbeit anfühlt, machen Sie es richtig.
Das Wichtigste:
Machen Sie Ihre Hausaufgaben. Qualität vor Quantität.
Gleichen Sie Ihr Profil sorgfältig mit den Anforderungen der Stelle ab. Stellen Sie sicher, dass Sie die Muss-Kriterien an Fähigkeiten und Erfahrung mitbringen. 70 % Übereinstimmung oder mehr sind das Minimum. Wer darunter liegt, sollte sich die Zeit sparen und nach besser passenden Stellen suchen.
Übertreiben Sie nie. Bleiben Sie immer bei der Wahrheit. Ja, Sie „verkaufen“ Ihr Kandidatenprofil, aufblasen oder erfinden dürfen Sie dabei nichts. Die meisten Gespräche werden unangenehm, wenn Sie persönlich nicht einlösen, was Sie schriftlich versprochen haben.
Schicken Sie Ihren Lebenslauf nicht über LinkedIn und fragen Sie nicht per Direktnachricht nach Feedback. So funktioniert das nicht. Warten Sie die reguläre Rückmeldung ab, auch wenn es ein paar Wochen dauert. Meistens schicken Recruiter Updates über das System, sobald sie sie vom Hiring Manager bekommen. Wenn nichts kommt, hilft eine Nachfrage über LinkedIn auch nicht.
Welche Erfahrungen haben Sie mit Nachrichten und Vernetzung auf LinkedIn gemacht? Gibt es etwas zu ergänzen?
Haben Sie Fragen dazu an mich?
Schreiben Sie Ihre Fragen und Rückmeldungen in die Kommentare, ich antworte gern.
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