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Pharma Bloodbath Teil VIII: 54.000 Manager können nicht alle eine „Phase der Transformation“ haben

Wie schlecht steht es 2026 um den Arbeitsmarkt für Führungskräfte in Deutschland und der Schweiz?

So eng wie seit Jahren nicht. Deutschland zählte 2025 im Jahresdurchschnitt rund 49.000 arbeitslose Führungskräfte, etwa 14 % mehr als im Vorjahr und der höchste Stand seit 2015. Bis April 2026 waren es über 54.000. Die Schweiz meldet offiziell 3,0 %, ein Anstieg von fast 10 % im Jahresvergleich, und der international vergleichbare ILO-Wert liegt bei 5,2 % mit steigender Tendenz. Führungsrollen sind nicht sicher. Die Arbeit verschwindet weniger, als dass sie umzieht. Fünf Schritte, die auf jeder Ebene wirken: die Suche als Vollzeitjob führen, den Textmarker-Test machen und sich erst ab rund 90 % Passung bewerben, den Museums-Lebenslauf gegen einen ergebnisgetriebenen tauschen, das externe Netzwerk aufbauen, bevor Sie es brauchen, und die eigene Erfahrung als Risikomanagement verkaufen.

Liebe #MoreThanCareer Community,

Vorab der Pflichtteil, in dem ich erkläre, warum Sie mir zuhören sollten, vorgetragen mit der Begeisterung eines Mannes, der seine eigenen AGB vorliest. Sechzehn Jahre Talent Acquisition in der Pharma, dreizehn davon in Big Pharma und bei drei der größten CROs der Welt. Übersetzt: Ich habe fast zwei Jahrzehnte auf der Seite des Schreibtischs verbracht, die „nein“ sagt. Das macht mich entweder zum idealen Helfer, um dort ein „ja“ herauszuholen, oder zum Bösewicht aus Ihrer letzten Absage. Gut möglich, dass beides stimmt.

Führungskraft, 53, sucht

Die Süddeutsche Zeitung hat diesen Monat Sven Röder porträtiert: 53, früher Chef von mehr als tausend Menschen, ein Jahrzehnt in Peking und Shanghai, seit Januar ohne Job, nennt seine Lage inzwischen eine Phase der Transformation.1 Also genau die Formulierung, die Ihr Arbeitgeber in dem Absatz direkt über den Abbauzahlen verwendet.

Und jetzt über die Grenze. In Deutschland kommt diese Geschichte mit Sirene. In der Schweiz kommt sie im Flüsterton, und stille Wasser sind tief. Genau das macht es schlimmer.

Was die Zahlen tatsächlich sagen

Deutschland zählte 2025 im Jahresdurchschnitt rund 49.000 arbeitslose Führungskräfte, vierzehn Prozent mehr als im Vorjahr und der höchste Stand seit 2015.2 Bis April 2026 waren es über 54.000, bei drei Millionen Arbeitslosen insgesamt und einer Quote von 6,4 Prozent.3 Die Schweiz nennt die Zahl, die sie beim Fondue lieber erwähnt: 3,0 Prozent.4 Weniger charmant: Diese Quote ist im Jahresvergleich um fast zehn Prozent gestiegen, und der ILO-Wert für den ehrlichen internationalen Vergleich liegt bei 5,2 Prozent, Tendenz steigend.5 Die Schweizer haben für schlechte Nachrichten schlicht die geschmackvollere Schrift gefunden.

Das Eckbüro ist nirgends sicher. Beim letzten großen Schweizer Programm von Novartis entfiel etwa die Hälfte der 1.400 betroffenen Stellen auf Führung und Management, sechshundert davon in der zentralen Verwaltung auf dem Basler Campus.6 Die Fortsetzung: bis zu 550 Stellen am Standort Stein bis 2027, während das Unternehmen Schweizerhalle bei Basel finanziert und bis 2028 rund achtzig neue Stellen herbeizaubert.7

Die eine Hälfte von Basel macht das Licht aus, die andere macht es an. Operation gelungen, Patient tot, so lesen sich diese Sparprogramme von innen: Die Synergien kommen an, die Abteilung nicht. Entscheidend ist allein, welche Hälfte Ihr Ausweis noch öffnet. Und merken Sie sich den Schweizer Begriff Aussteuerung: der Tag, an dem die Leistungen enden und Sie von der Statistik zum Problem eines anderen werden. Es gibt ein Pilotprojekt des Bundes, das genau um diese Kante herum für die über Fünfzigjährigen gebaut ist. Das sagt Ihnen, wer dort regelmäßig herunterfällt.8

Ein kurzer Blick über die Zäune, weil Ihr Feed darauf besteht, dass im Ausland alle glänzend dastehen

USA: Die Schlagzeilenquote sieht mit etwa 4,4 Prozent ordentlich aus, doch die Zahl der Bürojobs ist netto drei Jahre in Folge geschrumpft, während die Wirtschaft wuchs, und die Entlassungen überschritten 2025 die Marke von 1,1 Millionen, so viele wie seit der Pandemie nicht.9 Vierzig Prozent der Büroangestellten, die Ende 2025 den Job wechselten, nahmen eine Gehaltseinbuße von mehr als zehn Prozent hin, der schlechteste Wert seit mindestens einem Jahrzehnt.10 Das große amerikanische Reshoring der Pharma baut derweil Fabriken. Die verlorenen Schreibtischjobs kommen dadurch nicht zurück: Takeda allein streicht 2026 rund 4.500 Stellen.11

Großbritannien: Eine handfeste Klemme für Bürojobs. Die Zahl offener Stellen sinkt seit über zwei Jahren, auf eine Stelle kommen rund 2,4 Suchende, die Einstiegsstellen für Absolventen sind unter zehntausend gefallen, und die Jugendarbeitslosigkeit ist so hoch wie seit über einem Jahrzehnt nicht.12 Den Letzten beißen die Hunde, und der Letzte ist gerade jeder unter fünfundzwanzig mit frischem Abschluss.

China: Ein Rekord von 12,7 Millionen Absolventen kam 2026 auf den Markt, bei einer Jugendarbeitslosigkeit nahe sechzehn Prozent: ein Überangebot an Bürohoffnungen, während Arbeitgeber die beruflich-praktischen Fertigkeiten suchen.13 Viele haben tang ping für sich entdeckt, flach liegen bleiben, was immerhin ehrlicher ist als „open to work“.

Indien: Der fröhliche Ausreißer. Die Einstellungen im Bürobereich wuchsen im vergangenen Geschäftsjahr um rund acht Prozent, getragen von KI-Rollen und den Global Capability Centres, die inzwischen still und leise Regulatory Affairs und Pharmakovigilanz für die halbe Big Pharma betreiben.14 Die Richtung für Supportfunktionen zeigt eindeutig nach Osten.

Restliche EU: Irland saugt weiterhin Pharmaproduktion auf, während Polen, Tschechien und Ungarn CRO- und Shared-Services-Stellen aufnehmen. Für mehrsprachige DACH-Profis ist die Landkarte viel größer als der Raum zwischen Basel und Berlin. Totgesagte leben länger: Die Arbeit stirbt nicht, sie wandert aus.

Für DACH heißt das: Die Arbeit verschwindet nicht, sie zieht um. Ihre Aufmerksamkeit sollte mitziehen.

Fünf Schritte. Keiner neu. Alle werden ignoriert, deshalb wirken sie noch.

Das gilt für die Suche nach dem ersten Praktikum inklusive Visum-Sponsoring genauso wie für den letzten Sitz in einem Aufsichtsgremium.

1. Behandeln Sie die Suche als Ihren eigentlichen Job. Der von der SZ porträtierte Berater sagt es unverblümt: Wer nicht begriffen hat, dass die Jobsuche selbst Vollzeit ist, findet den Job nicht.1 Drei halbherzige Bewerbungen, zwischen zwei Meetings abgeschickt, sind keine Suche. Das ist ein Hobby mit Anschreiben.

2. Machen Sie den Textmarker-Test, auf jeder Ebene. Drucken Sie die Anzeige aus. Markieren Sie jede Anforderung grün (können Sie), gelb (haben Sie gestreift), rot (Fehlanzeige). Unter neunzig Prozent Grün bewerben Sie sich nicht.1 Ja, auch als Absolvent. Die Schrotflinte endet in diesem Markt außer Spesen nichts gewesen: viel Porto, kein Angebot. Erst zielen, dann schießen.

3. Werfen Sie den Museums-Lebenslauf weg. Das Format, das jeden Schreibtisch auflistet, an dem Sie je saßen, ist erledigt. Ob Senior oder Junior, die Einstellung entscheidet sich daran, was Sie verändert haben. Der Ort, an dem Sie geparkt waren, zählt kaum noch. Röder hat seinen Lebenslauf zu einem „Executive Dossier“ umgebaut, das mit Ergebnissen beginnt.1 Übernehmen Sie das Prinzip und skalieren Sie es herunter: Bei einem Praktikanten ist das eine ehrliche Zeile über ein Problem, das er wirklich gelöst hat.

4. Bauen Sie das externe Netzwerk auf, bevor das Gebäude Sie aussperrt. Die meisten Menschen haben auf jeder Ebene ein prächtiges internes Netzwerk und ein externes aus Staub. Der Kontakt, auf den es ankommt, ist der, den Sie in achtzehn Monaten brauchen werden, in Ruhe geknüpft, solange Sie nichts wollen. In Panik geknüpft, liest er sich in jeder Sprache genau wie Panik.

5. Für die Erfahrenen: Verkaufen Sie die Jahre als Risikomanagement. Wer eine Fünfunddreißigjährige auf eine Rolle setzt, die Ihre Narben braucht, geht eine Wette ein, und zwar mit den eigenen Zeitplänen und dem eigenen Ruf. Sagen Sie das offen. Und bevor Sie einen Aufhebungsvertrag unterschreiben, holen Sie sich Anwalt und Steuerberater: Der Führungskräfteverband DFK hat recht, dass ein Paket von 250.000 Euro brutto auf rund 130.000 Euro netto schmelzen kann, eine Rechnung, die ein ansonsten angenehmes Abschiedsessen ruiniert.15

Woran Sie einen echten Karriereberater erkennen und den gemieteten meiden

Der Abschwung hat eine zweite Branche hervorgebracht, die sich von der ersten ernährt. Nützlich, wenn sie echt ist. Der Haken: „Coach“ ist in Deutschland keine geschützte Berufsbezeichnung. Jeder kann sich das morgen auf die Visitenkarte drucken, ohne Qualifikation, ohne Erfahrung, ohne je jemanden eingestellt zu haben.16 Das Ergebnis ist eine Timeline voller Leute, die „Personal Branding“ verkaufen und dabei nie einen Stapel von zweihundert Lebensläufen gelesen und nie in einem Kalibrierungsmeeting gesessen haben. Sie könnten Ihnen auch nicht sagen, worüber ein Auswahlgremium freitags um fünf streitet.

Drei Fragen trennen die Echten von den Gemieteten. Haben Sie je für Rollen wie meine eingestellt? In meiner Branche? In nennenswertem Umfang? Kommt als Antwort ein TED-Monolog über das eigene „Warum“, haben Sie Ihre Antwort und behalten besser Ihr Geld. Rat zum Eingestelltwerden sollte von jemandem kommen, der selbst eingestellt hat. Der Rest ist Astrologie mit Ratenzahlung.

Worauf es hinausläuft

Der Senior-Markt öffnet sich 2026 nicht wieder, der Absolventenmarkt auch nicht. 2026 wird das Jahr, in dem die wenigen Anrufe an die Leute gehen, die sich still vorbereitet haben, auf allen Seiten von Rhein, Alpen und Ärmelkanal. Röder verkauft übrigens seine Oldtimer, zieht in etwas Kleineres und berichtet, dass es ihm gut geht.1 Machen Sie daraus, was Sie wollen. Meistens versteckt sich eine Lektion in dem, was der Job Sie die ganze Zeit gekostet hat.

Quellen & Belege

[1] Süddeutsche Zeitung, „Führungskraft, 53, arbeitslos, sucht“ (kostenpflichtig): sueddeutsche.de

[2] Ludwigsburg24 (nach Handelsblatt / Bundesagentur für Arbeit), 49.000 arbeitslose Führungskräfte im Jahresdurchschnitt 2025, +14 %, höchster Stand seit 2015: ludwigsburg24.com

[3] Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarkt im April 2026 (3,008 Mio. Arbeitslose, 6,4 %): arbeitsagentur.de

[4] SECO, Die Lage auf dem Arbeitsmarkt April 2026 (142.902 registrierte Arbeitslose, 3,0 %, +9,8 % gegenüber Vorjahr): admin.ch

[5] SWI swissinfo.ch / Bundesamt für Statistik, ILO-Erwerbslosenquote Q1 2026 bei 5,2 %: swissinfo.ch

[6] BioSpace, von 1.400 gestrichenen Novartis-Stellen in der Schweiz entfiel rund die Hälfte auf Führung und Management: biospace.com

[7] FiercePharma, Novartis streicht bis 2027 bis zu 550 Stellen in Stein und schafft bis 2028 rund 80 in Schweizerhalle: fiercepharma.com

[8] arbeit.swiss / SECO, Pilotprojekt „Supported Employment“ für Stellensuchende über 50: arbeit.swiss

[9] Metaintro, US-Bürojobs schrumpfen seit drei Jahren, Challenger-Entlassungen über 1,1 Mio. in 2025, Arbeitslosenquote 4,4 %: metaintro.com

[10] Yahoo Finance (nach Revelio Labs), 40 % der Jobwechsler im Bürobereich nahmen Gehaltseinbußen von 10 % und mehr hin: finance.yahoo.com

[11] Intellizence, Takeda streicht 2026 rund 4.500 Stellen: intellizence.com

[12] Prism Executive Recruitment (UK, März 2026), Absolventenstellen unter 10.000, Jugendarbeitslosigkeit 16,1 %: prismrecruitment.co.uk

[13] South China Morning Post, Rekord von 12,7 Millionen chinesischen Absolventen 2026, Jugendarbeitslosigkeit nahe 16 %: scmp.com

[14] Naukri JobSpeak, Einstellungen im indischen Bürobereich +8 % im Geschäftsjahr 26, getragen von GCC und KI: naukri.com

[15] Börse Express, DFK-Einschätzung und Nettozahlen zu Abfindungen: boerse-express.com

[16] eRecht24, „Coach“ ist in Deutschland keine geschützte Berufsbezeichnung: e-recht24.de

© 9. Juni 2026 Andreas Schulz. Alle Rechte vorbehalten.

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